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Rund um den Erie See

Eine Tour rund um den Erie See erschließt ein Stück amerikanische Industriegeschichte mit leider schlechtem Ausgang. Hier war einst das Herz der Schwerindustrie, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stark abgebaut wurde. Als wäre das nicht genug, folgt seit einiger Zeit auch noch der Rückgang der Automobilindustrie, die der Gegend ebenfalls ihren Stempel aufgesetzt hat. Die Folge sind ehemals blühende Industriestädte, welche die Hälfte ihrer Einwohner verloren haben.

Die Rundreise geht zuerst von Toronto auf der 401 nach Westen bis an die Grenze bei Windsor.

Detroit

Detroit liegt gegenüber von Windsor auf der anderen Seite des Detroit River. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere an die Szene in Bowling for Columbine, in der Michael Moore Kanada besucht. Nun, das war in Windsor. Windsor zählt auch zum Großraum Detroit, und viele Arbeiter, die ihr Geld in Motown verdienen, wohnen im kanadischen Windsor.
Es gibt zwei Grenzübergänge vom kanadischen Windsor ins US amerikanische Detroit. Der eine ist eine Brücke und der andere ein Tunnel, der beide "Downtowns" direkt miteinander verbindet. Es heißt, das wäre der einzige Straßentunnel zwischen zwei Ländern (durch den Ärmelkanaltunnel fahren ja nur Züge). Grund genug für mich, genau diesen Grenzübergang zu wählen.

Auf der amerikanischen Seite angekommen, hieß es erst einmal Auto stehen lassen, alle Fenster auf und Schlüssel stecken lassen. Als ich mich auf dem Weg zur Visastelle kurz umdrehte, sah ich dann nur noch, wie die Grenzbeamten mit dem Durchsuchen anfingen. Naa suuuper...

Der Beamte, der mir das Touristenvisa ausstellte, wusste dann auch ganz genau, was ich alles dabei hatte (offensichtlich sind Parkplatz und Visastelle sehr gut miteinander vernetzt), und ich musste mich fragen lassen, was ich denn mit einem Fahrrad in Detroit wolle?

Die Frage ist durchaus berechtigt, denn ich habe noch nie so viele Parkhäuser und -Plätze in einer Innenstadt gesehen wie in Detroit.  Wo das wohl herkommt...

Nichtsdestotrotz kann man sich Detroits Downtown sehr gut zu Fuss "erlaufen", es gibt viel zu sehen, und wenn man keine Lust mehr hat, nimmt man den People Mover, eine Hochbahn mit führerlosen Zügen, die in einer Kreisbahn um Downtown herumfahren.


Hart Plaza
Woodward Avenue
Das Motown Museum befindet sich in dem Gebäude wo die berühmte Plattenfirma für mehrere Jahre ihren Sitz hatte. Das ist kein Bürogebäude sondern ein einfaches Wohnhaus, in dessen Keller ein Aufnahmestudio eingerichtet war. Hier haben Stevie Wonder, Marvin Gaye, Diana Ross und viele andere von 1959 bis 1972 ihre Hits aufgenommen.

Von Detroit geht es weiter auf der Interstate 75 nach Toledo, einer weiteren von der Automobilindustrie geprägten Stadt. Auf dem Weg dahin trifft man auf viele LKWs mit Ford, Chrysler oder anderen bekannten Auto Logos. Außerdem fährt man an mehreren Automobilwerken vorbei. Kurz vor Toledo überquert man die Grenze zwischen Michigan und Ohio.

Toledo
Toledo liegt an der südöstlichen Spitze des Erie Sees. Der größte Arbeitgeber in Toledo war einmal die riesige Fabrik, in der der berühmte Jeep produziert wurde. Das war einmal, und die Fabrik wird langsam abgerissen.


Blick über Promenade Park und Maumee

Die Skyline von Toledo

International Park und Martin Luther King Bridge

Lake Erie Islands
Die amerikanischen Inseln im Erie See (Kelly's Island, South Bass, Middle Bass und North Bass) befinden sind zwischen Toledo und Cleveland. Die Halbinsel Catawba Island und die Orte Sandusky und Port Clinton sind die Sprungbretter zu den Inseln, die von dort per Fähre zu erreichen sind. Auf den Inseln befinden sich hauptsächlich private Cottages und Weingüter.

Marblehead Lighthouse. 1822 gebaut ist er der dienstälteste Leuchtturm an den großen Seen.

Die reizvolle Küste um den Marblehead Lighthouse gehört zu den meistfotografiertesten Gegenden am Erie See.

Am 10. September 1813 fand eine Seeschlacht auf dem Erie See statt. Elf amerikanische Schiffe konnten sich gegen sechs englische durchsetzen. Die Schlacht spielte sich in der Gegend um die Inseln ab. Die Auswirkung der Schlacht war, dass die Briten das im Jahr zuvor eroberte Detroit aufgeben mussten. Perry's Victory and International Peace Memorial auf South Bass erinnert an die Schlacht.

Die Fähre nach South Bass.  Am Fähranlegepunkt kann man Fahrräder oder kleine Elektroautos mieten und damit die Insel erkunden.

 Perry's Victory Memorial von Put-In-Bay aus gesehen. Der Ort auf South Bass ist ein touristisches Zentrum mit Restaurants und Bars. Der Rest der Insel besteht hauptsächlich aus privaten Cottages.


Das Memorial kann bestiegen werden und von oben hat man einen guten Blick über die Insel.


Cleveland
Cleveland war lange Zeit ein wichtiges Zentrum der Schwerindustrie. Die Niedergang begann in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts, als Stahl aus Übersee billiger wurde. Heute lebt die Stadt mehr vom Tourismus als von der Industrie.


Die blauen Busse auf dem Parkplatz gehören zum André Rieu & Strauß Ochestra. Der ist auch in Amerika bekannt und beliebt.

Science Center und Rock and Roll Hall Of Fame

Die Rock and Roll Hall Of Fame. Interessant, aber leider in den 90ern mit dem Tod Curd Cobains stehen geblieben.

Schwebende bunte Trabbis in der Eingangshalle.

The Fountain of Eternal Life

Der große rote Stempel stempelt FREE


Erie und Presque Island
Von Cleveland geht es weiter Richtung Osten. Schon bald verlässt man Ohio und überquert die Grenze nach Pennsylvania. Dort lohnt sich ein Halt in Erie und eine Besuch der Presque Island.
Geschützt vor den Engländern in der Bucht von Presque Island bei Erie, bauten die Amerikaner ihre Flotte für die Schlacht auf dem Erie See. Nach der Schlacht kehrten Die Schiffe in die Bucht zurück und erlebten dort einen harten Winter.

Heute ist Presque Island ein fast überall öffentlich zugänglicher State Park mit schönen Stränden und einem reizvollen Radweg, auf dem man 25 km lang rund um die Halbinsel fahren kann.

Bicentennial Tower in Erie

Das Erie Maritime Museum mit der Niagara, dem Flaggschiff Pennsylvanias. Das Schiff ist eine Replik des Kommandoschiffes von Oliver Perry während der Schlacht auf dem Eriesee. Die Original Niagara wurde 1813 auf Presque Island gebaut und 1820 dort versenkt. Sie wurde 1913 wieder gehoben und in den folgenden Jahren teilweise restauriert. 1988 wurde sie dann schließlich komplett neu aufgebaut.

Auch auf Presque Island gibt es ein Perry Monument, welches zu Ehren von Oliver Hazard Perry, dem Kommandanten der amerikanischen Flotte, errichtet wurde.

Es gibt auf Presque Island viele schöne Sandstrände.

Der Leuchtturm auf Presque Island wurde 1873 gebaut.


Fährt man von Erie weiter Richtung Osten, kommt man in den Bundesstaat New York und nach Buffalo.

Buffalo
Buffalo profitierte einst davon, dass hier der Erie Kanal begann, der den Hudson River und somit New York und Amerikas Ostküste mit den Großen Seen verband. Das führte dazu, dass sich viel Industrie und Handelsfirmen hier ansiedelten und Geld in die Stadt brachten. Die Zeit der großen Warenbewegungen über die Seen ist allerdings vorbei, und der Kanal wird nur noch für Touristenboote genutzt. Heute ist es eher die Nähe zu Kanada, von der Buffalo lebt. Je nach Wechselkurs zwischen kanadischem und amerikanischem Dollar, fahren viele Kanadier über die Grenze zum Einkaufen.
Es gibt in Buffalo aus der Blütezeit noch viele prachtvolle Bauten, so dass sich ein Besuch der Stadt durchaus lohnt.

Der Historic District Allentown mit vielen viktorianischen Häusern.

The Little Girl von Grace Rumsey Goodyear
Der Forest Lawn Cementory wurde 1849 gegründet und bietet viele berühmte und sehenswerte Mausoleen und Kunstwerke.



Bei Buffalo fährt man über die Peace Bridge wieder zurück Richtung Toronto.

Links
Lake Erie Crossroads - Eine Liste mit Sehenswürdigkeiten am Erie See.