Die kanadischen Rocky Mountains
Eine echte muss-man-mal-gemacht-haben Tour: erst mit dem Zug
quer durch Kanada und dann mit dem Rad über die Rockies!
Es gibt einige Unterschiede zwischen den Alpen und den Rocky Mountains.
Während in den Alpen die Gipfel dicht gedrängt
nebeneinander
stehen, sind die Rockies eher weitläufiger, und es gibt weite
Hochplateaus und Eisfelder zwischen den einzelnen Bergen. Die
Straßen winden sich daher nicht in Spitzkehren über
kurze
Distanzen auf große Höhen, sondern es geht
in langen
Rampen meistens moderat bergauf.
Wer also schon einmal in den Alpen mit dem Fahrrad unterwegs war, wird
in den Rockies keine Probleme haben. Unangenehm ist allerdings
der
relative starke Verkehr mit den vielen Wohnmobilen. Es wird schnell
gefahren und ständig überholt, so dass man irgendwann
den
Eindruck gewinnt, man ist ungewollt in eine Wohnmobilralley geraten.
Die
Seitenstreifen sind allerdings breit und meistens in gutem Zustand, so
dass man trotzdem doch recht sicher unterwegs ist.
Wer nicht unbedingt eine Zeltausrüstung über
die Berge
schleppen möchte, kann günstig in Hostels (Jugendherberge) übernachten. Eine
Reservierung wird zwar empfohlen, ich habe aber kein Hostel erlebt,
welches komplett ausgebucht war. Der Komfort ist zwar recht
eingeschränkt (es gibt teilweise weder fließend Wasser noch
Strom), man trifft aber jedes mal auf Gleichgesinnte, mit denen man sich
austauschen kann.
Meine Empfehlung ist auch, besser keine langen Etappen
planen,
sondern sich eher Zeit lassen, um die Landschaft zu genießen, oder
auch einmal die Straße verlassen um ein paar
Kilometer zu wandern.
Etappe 1: Mit dem Zug von Toronto nach Jasper (4000 km)
Mehr als zweieinhalb Tage im Zug, der aber auch einigen
Komfort zu bieten hat. In der
Silver
and Blue Klasse gibt
es
hervorragendes Essen morgens, mittags und abends, und dazwischen
jederzeit Kaffee, Gebäck und Früchte (wer also schon immer einmal ein paar Kilos zunehmen wollte...). Man verbringt
die Zeit entweder in der Kabine, im Restaurant, im Panoramawagen, im
Spielwagen oder im Park Car am Ende des Zuges. Im Zug trifft
man viele interessante Leute aus der ganzen Welt, die
immer
gerne zu
einem
Gespräch bereit sind.

Der Park Car von außen... |

...und von innen. |

Ontarios Norden - Land der 30.000 Inseln |

Zwischenstopp in Sioux Lookout - Betanken der Loks |

Der Bahnhof von Winnipeg |

Kurz vor Jasper wird es so langsam bergig. |
Die Fahrradmitnahme
war problemlos. In Toronto wird das Fahrrad in einen Karton
(wird zur Verfügung gestellt) verpackt und aufgegeben, und in
Jasper bekommt man Karton und Inhalt dann wieder
übergeben.
Etappe 2: Jasper - Athabasca Falls (35 km, 300 Höhenmeter)
Der Zug kommt normalerweise planmäßig um 15:00 in Jasper an,
heute hatte er aber
zwei Stunden Verspätung, was bei 4000 km auch in Ordnung geht.
Dort wurde dann unter den neugierigen Blicken der Mitreisenden (so
richtig geglaubt haben die mir das nicht, als ich ihnen von meinem
Vorhaben erzählt habe) das Fahrrad klargemacht und los geht's
auf den Icefields Parkway.
Hier beginnt der Jasper Nationalpark, und man
bezahlt erst einmal eine happige Gebühr um hinein zu kommen.
Jasper liegt bereits
auf über 1000 m Höhe, und die paar Kilometer bis zu
den Athabasca Falls sind
gerade richtig, um sich an die dünne Luft zu
gewöhnen.

Die ersten Kilometer zwischen riesigen Bergen. |

Athabasca Falls |
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| Übernachtet habe ich im
Athabasca Falls
Hostel kurz nach den Wasserfällen. |
Etappe 3: Athabasca Falls
- Beauty Creek (61 km, 670 Höhenmeter)
Ein kurze Etappe, denn es gibt einiges zu sehen.

Buck Lake |

Upper Sunwapta Falls |
Die Sunwapta Falls
liegen kurz vor dem Zusammenschluß von Sunwapta und Athabasca
River. Der Athabasca River zweigt nach Westen ab, und der Parkway führt weiter entlang am Sunwapta River. Bei
den Wasserfällen gibt es auch eine kleine Lodge, wo
man übernachten kann.
Neben den stark besuchten Upper Falls gibt es etwa zwei Kilometer
weiter
durch den Wald noch die Lower Falls. Da sich die meisten
Besucher nicht
die Mühe machen, zu den Lower Falls zu laufen, kann man hier
fast ungestört die Natur genießen. Die Lower sind
darüber hinaus sogar noch spektakulärer als
die Upper Falls. |

Lower Sunwapta Falls |

Sunwapta River Valley |

Abendstimmung am Hostel |
Übernachtet
habe ich im Beauty Creek Hostel, das ziemlich genial direkt am Fluss
liegt. Dort habe ich eine Gruppe Radler aus Calgary
getroffen, die in
der entgegengesetzten Richtung unterwegs waren. Sie waren supernett und
hatten so viel zu Essen
dabei, dass sie mich problemlos einladen konnten.
Das Beauty Creek Hostel ist außerdem berühmt für die Pancakes,
die der Herbergsvater morgens serviert. |
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Die Radler aus Calgary haben das getan,
was übrigens die meisten Fahrradfahrer hier machen: Das
Gepäck wird im Autoanhänger von einem Hostel bis zum
nächsten transportiert, und man kann schön mit dem
superleichten Rennrad über die Pässe radeln. Mir sind
etliche
dieser Gruppen entgegengekommen. Fahrräder mit Gepäck
sieht
man hier sehr selten, und wenn, sind es meistens deutsche Urlauber.
Diese Art
des Fahrradurlaubs ist in Amerika längst nicht so
populär wie
in Deutschland. Convenience first.
Etappe 4: Beauty Creek -
Saskatchewan Crossing (70 km, 770 Höhenmeter)
Vielleicht der schönste Abschnitt der Tour. Es fängt mit
dem Aufstieg zum Columbia Icefield an. Der ist zwar steil, aber
nicht
besonders lang. Mit der Mountain Bike Kassette in der Schaltung kommt
man zwar langsam, aber auch mit Gepäck ohne
größere
Probleme über den Pass.

Auf dem Weg zum Columbia Icefield
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Ein wildes Schaf, das aussieht wie eine Ziege: Longhorn Sheep. |

Athabasca Gletscher |

Big Bend - einer der schönsten Ausblicke an der Strecke. |

An der Brücke sollte man unbedingt halten und hinunter schauen.
Der schöne Wasserfall auf dem Bild rechts ist nämlich
direkt unter der Brücke. Es gibt dort keinen Parkplatz, und
somit ist dieser Anblick fast ausschließlich uns Radlern
vorbehalten. |
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| Übernachtet
habe ich im The Crossing,
einem Motel am Saskatchewan Crossing. Das ist
zwar deutlich teuerer als die Hostels, dafür gibt es aber auch
ein Einzelzimmer mit Dusche. Im Restaurant kann man abends verbrauchte
Kalorien wieder auffüllen, und morgens gibt es ein ausgiebiges
Frühstück. |
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Etappe 5: Sakatchewan
Crossing - Castle Mountain (113 km, 1100
Höhenmeter)
Die Königsetappe. Leider ein wenig erschwert durch Dauerregen,
der
nach 10 km anfing und mich den ganzen Tag begleitet hat. Aber
wie heißt es so schön: es gibt kein schlechtes Wetter,
sondern
nur schlechte Ausrüstung. Mit Regenhose und -Jacke war selbst
dieser Tag noch okay. Etwas unangenehm war die Abfahrt vom Bow Pass in
2200 m Höhe bei 7° C durch den Regen.
Bei Lake Luise endet der Icefields Parkway und man fährt auf
den Bow Valley Parkway. Parallel zum Parkway führt der
vierspurige Trans Canada Highway, der den meisten Verkehr
aufnimmt. Dadurch ist der Bow Valley Parkway deutlich ruhiger als der
Icefields Parkway.
Trotz Regen gab es aber auch echte Highlights wie die Aussicht
vom Bow Pass auf den
Peyto Lake. Außerdem bin ich
einem echten wilden Bären begegnet! Dabei war ich so
aufgeregt,
dass mir leider keine guten Fotos gelungen sind. Der Bär hat
das
eher locker gesehen, mich nur kurz angeschaut, und
ist
dann weitergetrottet.

Lower Waterfowl Lake
(hier fing der Regen an) |

Die Aussicht vom Bow Pass auf den
Peyto Lake gehört zu den schönsten in den Rockies. |

Castle Mountain (am nächsten Tag) |

Castle Mountain Hostel |
Am Abend habe ich im Hostel ein paar Park Wardens
getroffen,
die gerade auf einer Bergrettungsübung unterwegs
waren, und mir erklärt haben, dass
Bären wesentlich
weniger gefährlich sind, als
man allgemein annimmt. Man muss sie nur als wilde Tiere respektieren.
Das
heißt, man darf ihnen nicht zu nahe kommen und sie nicht
überraschen. Zwischenfälle gibt es nur sehr selten
und hauptsächlich mit Mountain Bikern und Joggern.
Andererseits werden aber leider jedes Jahr viele
Bären von
Autos überfahren.
Etappe 6: Castle Mountain
- Dead Mans Flat (73 km, 475 Höhenmeter)
Auf dieser Etappe geht es fast nur noch bergab. Am Johnston Canyon habe
ich das Fahrrad erst einmal abgestellt und bin durch die Schlucht
gelaufen.

Der gut ausgebaute Pfad durch den Johnston Canyon |

Das Wasser sieht bei den Lower Falls so erfrischend aus, dass man am
liebsten gleich hinein springen möchte. |

Das glasklare Wasser des Pilot Pont |

Die Bow Falls in Banff - eher Stromschnellen als ein Wasserfall |
Schon bald erreicht man
das Ende des Bow Valley Parkways und von nun an geht es auf dem
vierspurigen Trans Canada Highway weiter. Wer schon immer einmal mit
dem Fahrrad auf der Autobahn fahren wollte, kann es hier erleben. Das
ist schon etwas eigenartig, aber mangels Alternative die einzige
Möglichkeit um nach Banff zu kommen.

Der Trans Canada Highway. Die zwei Spuren in die entgegengesetzte
Richtung verlaufen etwas weiter links. |

Dead Man's Flat. Tankstelle, Motel, Restaurant und ein paar
Wohnhäuser. |
Übernachtet habe ich in einem Motel in Dead Mans Flat, ca. 10
km
hinter Canmore. Dabei hatte ich mich mit der Entfernung
mächtig
verkalkuliert, so dass ich auf den letzten Kilometern in eine
Hungerhast geraten bin. Umso besser war dann
natürlich das
Abendessen im einzigen Restaurant am Ort.
Etappe 7: Dead Mans Flat - Calgary (116 km, 712 Höhenmeter)
Die Route 1a ist dem Trans Canada Highway auf jeden Fall vorzuziehen,
außer man hat Spass daran, mit dem Fahrrad auf der Autobahn zu
fahren. Es geht durch Indianerland und es gibt noch einiges zu
sehen, obwohl die Umgebung hier einen etwas trostlosen Eindruck macht.
Es weht ein ordentlicher Rückenwind, so dass man selbst mit
Gepäck oft Geschwindigkeiten von mehr als 30 km/h erreicht,
und hat man die Strecke recht schnell hinter sich gebracht. Der
Wind war so heftig, dass das Fahrrad ordentlich in die Seitenlage ging,
als er einmal von links kam. Es scheint hier immer so zu wehen,
und
daher möchte ich von der entgegengesetzten Richtung (von
Calgary
in die Rockies) eindringlich abraten. Über 100 km gegen diesen
Wind anzukämpfen stelle ich mir ausgesprochen
ungemütlich
vor.

Blick über die Prärie zurück auf die Berge |

Cochrane |
In Cochrane ca. 30 km vor Calgary kann man eine Mittagspause einlegen,
denn danach geht es noch einmal richtig heftig bergauf, und das auch
noch auf einem stark befahrenen Highway. Das war's dann aber mit dem
Klettern. Cochrane ist eine Satellitenstadt von Calgary und
entsprechend stark ist ab hier auch der Verkehr. Zum Glück ist
es
aber nicht mehr weit. Jetzt ist es aber endgültig vorbei mit
der Ruhe
in den Bergen.
Etappe 8: Calgary
Hat seine eigene
Seite.
Etappe 9: Mit dem Flugzeug von Calgary nach Toronto (2900 km, 9.000
Höhenmeter)
Die schnellste Etappe, denn zurück ging es mit dem Flugzeug.
Der
Flughafen von Calgary liegt zwar etwas außerhalb, ist aber aber durch
einen schönen Radweg gut zu erreichen. Dann gab es eine
Premiere
für mich: Ein-Checken mit dem Fahrrad. War schon etwas komisch,
in
der Reihe vor dem Schalter mit dem Fahrrad zu stehen. Dann war es
aber relativ problemlos. Erst die Pedale abmontieren und Lenker
um
90° drehen, damit alles schön klein wird, und dann
wird das
Fahrrad in einen Plastiksack gesteckt, den Air Canada zur
Verfügung stellt. Das gleiche wird mit den Packtaschen
gemacht, so
dass man am Ende nur zwei Gepäckstücke aufgibt.
In Toronto bekommt man sein Fahrrad an der Gepäckausgabe
für
Sperrgut wieder. Besonders sorgsam wird allerdings nicht damit
umgegangen, daher sollte man für ein fragileres Rennrad besser
einen Fahrradkoffer dabei haben.
Lustig war auch das Aus-Checken nach dem Flug. Schnell auf der Toilette
umgezogen und dann das Fahrrad noch in der Gepäckhalle
fertiggemacht, so dass ich in voller Montur in die Ankunftshalle kam.
Damit hatte ich natürlich alle Blicke auf mich gerichtet.
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